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Internationales Großmeisterturnier Berlin

4. – 12. Juli 2009 im Hotel Kronprinz

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Willst Du Berliner oben sehen, …

8. Juli 2009 von

… mußt Du die Tabelle drehen:

tabelle_nach_5runden

Da stehen sie, einträchtig und friedlich nebeneinander am unteren Ende der Tabelle. Besonders Robert Rabiega wird nicht erfreut darüber sein, am Ende vielleicht der Teilnehmer zu sein, der die meisten Roten Laternen daheim rumzustehen hat. Das Schachvolk hatte ihn hoch gehandelt, ihn auf Platz 1 in der Siegerumfrage gewählt. Mit Vorschußlorbeeren hat man aber noch keine Partie gewonnen. 1½ aus 5 ist ein trauriges Zwischenergebnis. Und die großen Gegner kommen erst noch!

Der zweite hochgehandelte Berliner, Atila Figura, hat eine GM-Norm vielleicht im Auge gehabt. Mittlerweile ist aber selbst die IM-Norm in weite Ferne gerückt. 3½ aus 6 wären dazu jetzt noch nötig. Es sieht unwahrscheinlich aus, das das zu schaffen ist.

Auf dem dritten Berliner, GM Raj Tischbierek, lastete kein so hoher Erwartungsdruck des Schachvolkes. Er hat nur noch eine geringe Spielpraxis, spielte in den letzten beiden Jahren nur 29 für die DWZ gewertete Partien mit eher mäßigem Erfolg. So gesehen hören sich 2 aus 5 noch ganz passabel an. Und viel mehr hat Ilja Schneider, der gern Großmeister werden möchte, ja auch nicht.

Schneider’s gestrige Partie war aber nicht gerade dazu angetan, die Hoffnungen auf eine GM-Norm zu nähren. In der folgenden Stellung hatte sein Gegner GM Andrej Maksimenko gerade das instabile schwarze Zentrum mit 7. d4 angegriffen:

[fen]r2qkbnr/1pp3pp/p1p1bp2/4p3/3PP3/2N2N2/PPP2PPP/R1BQ1RK1 b kq d3 0 7[/fen]

Ich fand in meiner bescheidenen Datenbank nur eine einzige Partie von 1965 in Paris zwischen Coudari und Woisin gespielt. Schwarz schlug damals auf d4 und verschwand nach Sxd4 mit dem Läufer nach f7. Ilja Schneider versuchte stattdessen 7. … Lc4, worauf sich die Frage stellt, was gut daran sein soll, den gegnerischen Turm nach e1 zu treiben, wenn der eigene König noch im Zentrum steht.

8. Te1 exd4 Maksimenko dachte 10 Minuten nach und zog dann 9. e5!

[fen]r2qkbnr/1pp3pp/p1p2p2/4P3/2bp4/2N2N2/PPP2PPP/R1BQR1K1 b kq – 0 9[/fen]

In höherem Sinne ist die Partie bereits gewonnen. Ilja Schneider zog 9. … f5 und verschaffte dem Ukrainer einen starken Freibauern, den dieser gnadenlos in den folgenden Zügen bis e7 durchpeitschte.

10. Sxd4 g6 11. b3 Lb4 12. Lb2 Ld5 13. Sxd5 Dxd5

[fen]r3k1nr/1pp4p/p1p3p1/3qPp2/1b1N4/1P6/PBP2PPP/R2QR1K1 w kq – 0 14[/fen]

Weiß muß jetzt nur noch den Lb4 vertreiben und die lange Diagonale räumen: 14.c3 La5 15. e6 0-0-0 16. b4 Lb6 17. e7 Te8 18. c4 Dxc4 19. Sf3 1-0

[fen]2k1r1nr/1pp1P2p/pbp3p1/5p2/1Pq5/5N2/PB3PPP/R2QR1K1 b – - 0 19[/fen]

Am Spitzenbrett zwischen IM René Stern und GM Viktor Erdös lief alles auf einen Nichtangriffspakt hinaus. Der letzte Bauernzug der Partie kam im 13. Zug von Schwarz: b7-b6.

[fen]r1b2rk1/3n2pp/1pp1pq2/p2p1p2/P1PPn3/RP1BPN2/4NPPP/3Q1RK1 w – - 0 14[/fen]

Nach dem 22. Zug von Weiß sah das Brett so aus:

[fen]3r1r1k/1b1nq1pp/1pp1p3/p2p1p2/P1PPn3/1P1BPN2/2R1NPPP/Q2R2K1 b – - 0 22[/fen]

Finden Sie die 7 Änderungen zum ersten Diagramm!

Die Bauern hatte wohl jemand heimlich am Brett festgeleimt…

Geschrieben in Allgemein | 7 Kommentare

7 Reaktionen zu “Willst Du Berliner oben sehen, …”

  1. am 08 Jul 2009 um 12:161MG

    Großmeister Frank Hoppe hat einen launigen Zwischenbericht abgeliefert. Besonders die umgedrehte Tabelle sorgt für große Heiterkeit.

    Aber die eine oder andere Zeile läßt mich doch stutzen.

    Thema Rabiega: “….1˝ aus 5 ist ein trauriges Zwischenergebnis. Und die großen Gegner kommen erst noch!”
    Mal abgesehen davon, daß Robert Rabiega zu niemandem aufschauen muß, was seine schachliche Meisterschaft betrifft, erinnert mich das ein wenig an die Reflexe von gewissen Stellen, als Iwantschuk letztens nach einer grandiosen Erfolgsserie mal ein paar Partien verloren hat. “Überspielt…” urteilten viele Hobbypsychologen. Schon weniger leicht fällt es ihnen jetzt, diese Expertise aufrechtzuerhalten, da Iwantschuk inzwischen mit einigen Siegen zurückgeschlagen hat. Und das, ohne die ihm fürsorglich angeratene Pause einzulegen. Schade eigentlich um die schönen Psycho-Theorien…
    Kann sein, daß Frank mit seiner Einschätzung Recht behält, kann aber auch sein, daß Rabiega sich mit dem einen oder anderen Sieg noch bis auf einen Medaillenplatz hievt. In so einem engen Feld, wo in den Kommentaren schon so viel von unerwarteten Ergebnissen die Rede war, wirkt eine Formulierung wie “trauriges Zwischenergebnis” zumindest voreilig.

    Thema Figura: “3˝/6…Es sieht unwahrscheinlich aus, daß das zu schaffen ist.” Atila liegt im Moment vielleicht einen halben Punkt hinter seiner statistischen Erwartung zurück, aber angesichts seiner letzten Turnierauftritte weiß man, daß er mit seinem furchtlosen Spiel auch gegen deutlich stärkere Gegner heftige Spuren hinterlassen kann, wenn man nur mal an seine Partien beim Mannschaftsblitz im Rathaus Schöneberg denkt. Warum sollten da nicht noch 3˝/6 drin sein? Von “unwahrscheinlich” zu sprechen erscheint mir da auch etwas weit aus dem Fenster gelehnt.

    Und Raj Tischbierek? Als Amateur würde ich mich hüten, von “mäßigem Erfolg” zu sprechen, wenn das deutlich schlechteste Turnierergebnis des Betreffenden immer noch 200 Punkte über meiner eigenen Wertungszahl liegt. Aber bis auf die letzten beiden Jahre, wo Raj Tischbierek (gegen nichtsdestotrotz renommierte Gegnerschaft) ein paar Federn gelassen hat, darf man nicht vergessen, wie respektabel er zuvor zumindest in den Mannschaftskämpfen aufgetreten ist. Ich glaube nicht, daß zwei oder drei schwächere Turniere gleich ernsthafte Rückschlüsse zulassen.
    Übrigens wurde hier noch nichts geschrieben über die Schlußstellung nach 48…Ta3 in Tischbierek-Rabiega (4.Runde). Kann irgendjemand einen schwarzen Gewinn zeigen nach 49.Kg2! ? Da hat GM Tischbierek möglicherweise zu früh das Handtuch geworfen.

    Und Ilja Schneider? Ich finde, er spielt bisher ein erfolgreiches Turnier. Der gestrige Rückschlag (das starke 9.e5! war bestimmt nicht so leicht vorauszusehen, ebenso wie das phantastische 17.Sxd5! in Lundin-Rabiega aus der 1. Runde) wird ihn nicht umwerfen, und wenn er sich nicht während des Turniers mit der Pflege seiner unterhaltsamen und immer interessanten Internetseite (”Schachzoo”) aufreibt, sollte da noch einiges für ihn drin sein.

    Und weil wir gerade bei den Berliner Schachspielern sind: Ich will hier mal auf den herausragenden Erfolg von Dr. Sebastian Schmidt-Schäffer (SC Kreuzberg) aufmerksam machen. Beim kürzlich zu Ende gegangenen Turnier in Pula (Kroatien) teilte er mit großartigen 8/9 (3/3 in den Schlußrunden gegen einen ELO Schnitt von >2500) den ersten Platz vor einer großen Schar von gestandenen GM und IM. Ein solches Ergebnis ist unter Berliner Schachspielern doch nicht zu häufig zu sehen und verdient große Bewunderung.

  2. am 08 Jul 2009 um 15:102Markus Zelanti

    Genau, etwas zurückhaltung wäre hier angebracht.
    Es ist gerade mal knapp die hälfte des Tuniers absolviert, und es wird so negativ über unsere Berliner berichtet.
    Ich denke, es ist noch vieles möglich.
    Ich drücke die Daumen.

  3. am 09 Jul 2009 um 13:053Objektivus

    “Kann sein, daß Frank mit seiner Einschätzung Recht behält, kann aber auch sein, daß Rabiega sich mit dem einen oder anderen Sieg noch bis auf einen Medaillenplatz hievt. In so einem engen Feld, wo in den Kommentaren schon so viel von unerwarteten Ergebnissen die Rede war, wirkt eine Formulierung wie “trauriges Zwischenergebnis” zumindest voreilig.”

    Selten so gelacht: Wieso ist eine Bilanzierung in Form eines Zwischenergebnisses nach 5 Runden, also nach der abgerundeten Hälfte des Turnieres, _voreilig_ ?

  4. am 10 Jul 2009 um 09:224Richard

    Wenn es nach MG geht, darf man wohl überhaupt keinen
    Spieler kritisieren, der eine höhere Wertungszahl hat,
    als man selbst ?

    … Kopfschüttel …

    Ich finde die Kommentare von Frank gut !

  5. am 10 Jul 2009 um 12:185Frank Hoppe

    Und eigentlich darf man dann auch keinen Spieler loben, wenn die Kompetenz dazu fehlt, weil die schachliche Spielstärke nicht ausreicht. Genau das tut Martin Gebigke aber.

  6. am 11 Jul 2009 um 01:086MG

    Das ist aber ein sehr kühner Umkehrschluß.

    Und was genau tue ich eigentlich? Ich lobe Spieler, obwohl mir die Kompetenz dazu fehlt? Falls ich das tun sollte, dann halte ich das immer noch für angemessener, als Leistungen mir klar überlegener Spieler auf eine Weise zu benennen, die mir im Kontext nahezu anmaßend und in der Form (Attribute wie “traurig” und “mäßig”) fast ein wenig verletzend erscheint.

    Oder deine Prognose, daß Atila keine 3,5 aus 6 mehr schafft (”unwahrscheinlich”). In diesen Punkten fehlte es für mein Empfinden deinem Kommentar ein wenig an Respekt, und das ganz unabhängig vom Rating der Spieler.

    Wenn ich übrigens gewollt hätte, daß mein vollständiger Name über dem Text steht, dann hätte ich das schon selbst so eingetragen. Du kleiner Denunziant.

    Aber die umgedrehte Tabelle war wirklich lustig.

  7. am 11 Jul 2009 um 02:037MG

    Richard (#4, mal sehen, ob Frank deine Identität auch noch preisgibt): was man darf oder nicht darf, wenn es nach mir geht, wäre vielleicht ein interessantes Thema, deine Vermutung gehört jedoch nicht dazu. Im betrachteten Kommentar von Frank Hoppe gab es seinerseits keine Kritik, sondern nur etwas, worauf ich eigentlich weiter oben schon ausführlich eingegangen bin.

    Aber Richard, wenn du Anlaß hast, öffentlich das Spiel von Großmeistern zu kritisieren und vielleicht ihre ausbleibenden Turniererfolge zu bemängeln, dann nur zu, da will ich dich nicht aufhalten. Wenn es zu irgendwas führt… Vielleicht kriegen sie wieder die Kurve, wenn sie auf dich hören.

    Was nicht bedeuten soll, daß man nicht über das Schieben von Partien diskutieren dürfen sollte. Aber das war ja hier nicht das Thema.

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